Abgesang auf die 68er

Jede Avantgarde wird irgendwann zur Tradition, jede Provokation irgendwann zum Klassiker. Das Verdienst der 68er liegt weniger in dem, was sie konkret erreicht haben, als in der Haltung, die sie hinterlassen haben - ein Misstrauen gegenüber glatten Antworten, eine Lust am Widerspruch, die uns auch noch Heute noch prägt.

Der eigentliche Abgesang ist also weniger ein Abschied als eine Übergabe. Die Fragen bleiben - nach Autorität, nach Freiheit, nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft - nur die Antworten müssen neu verhandelt werden. Vielleicht ist das der schönste Nachruf, den man dieser Generation schreiben kann: nicht dass sie alles verändert hat, sondern dass sie uns beigebracht hat, immer wieder zu fragen, ob Veränderung nötig ist.